Eine Busfahrt, die ist…

11.09.

Ja, am liebsten haetten wir den verdammten Bus mit samt seines Drecksklos gehijackt und gegen den naechsten verfuegbaren Berg gejagt (ohne uns versteht sich). Aber der Reihe nach:
Nichts ahnend stiegen wir gegen 13Uhr in Puno in den Bus, der uns innerhalb von nur 5-6h nach Arequipa bringen sollte. Wir freuten uns sogar auf die paar extra Stuendchen Schlaf. Uns daemmerte nichts gutes, als wir die strategische Lage unserer Sitzplaetze zum bereits zu diesem Zeitpunkt stinkenden Busklo bemerkten. Den ersten Abschnitt der Fahrt nach Juliaca retteten wir uns auf freie weiter vorne liegende Sitzplaetze, mussten dann aber das Feld raeumen, als die rechtmaessigen Platzinhaber dazustiegen. Schade. Die einzige Moeglichkeit diese Fahrt mit samt unseren Sinnen zu ueberstehen, war das offene Fenster. Da wir durchs Hochland auf einer ueberraschenderweise asphaltierten Strasse fuhren, war es eiskalt. Wir zogen alles an, was wir dabei hatten (incl. Sonnenbrille und Tuch ueber der Nase als Schutz gegen die Zugluft). Zwischendurch erbarmte sich ein Busangestellter und wagte sich mit zwei Flaschen Chlor bewaffnet in die Stinkehoelle. Das Chlor unterlag leider sehr schnell dem uebermaechtigen Gegner; nach nur einer halben Stunde stank es genaueso wie zuvor. Dank Jini’s Deospray und Jule’s Verteidigung UNSERES Fensters gegen die veraergerten Mitfahrer schafften wir es irgendwann irgendwie ins erloesende Arequipa. Besonders schockierte uns aber der Umgang der Mitreisenden (saemtlichst Peruaner) mit der Situation; es schien sie ueberhaupt nicht zu jucken. Ganz im Gegenteil: der Muell wird frisch-froehlich auf den Busboden oder sogar aus dem Fenster in die Pampa geworfen. Die Kroenung war jedoch ein Peruaner, der lautstark und ungeniert auf den Busboden rotzte; da faellt einem nichts mehr zu ein.
Ehrlich Leute, wir uebertreiben nicht! In den vergangenen acht Wochen Peru haben wir schon so einige hygienische Grenzsituationen erlebt, aber dies hier war auch fuer uns zuviel. Das Busunternehmen hiess uebrigens „Flores“, aber von Blumen keine Spur. An dieser Stelle seien alle zukuenftigen Peru-Reisenden eindringlich gewarnt!

Puno

09.-11.09.
Puno, die erste Stadt auf unserer bisherigen Reiseroute, fuer die wir uns nicht wirklich begeistern konnten. Dies mag sowohl den Umstaenden als auch der nicht sehr attraktiven Stadt an sich geschuldet gewesen sein. Unterm Strich verbrachten wir hier knapp 2 Tage, in denen wir uns umguckten und von den Nachwirkungen des anstrengenden Treks erholten. Am letzten Tag begaben wir uns noch auf eine Bootstour auf den eigentlich schoenen und beeindruckenden Titicacasee, die unseren Vorstellungen allerdings ueberhaupt nicht gerecht wurde. Zudem hatten wir den Eindruck der einaeugige Kapitaen wollte uns uebers Ohr hauen. Direkt im Anschluss an die Bootstour brachen wir auch schon auf, Ziel Arequipa.


Blick vom See aufs triste Puno


Im Schilf sieht man einen Bewohner der Uros Inseln. Die Uros Inseln
bestehen ausschliesslich aus Schilf und muessen daher permanent
ausgebessert werden. Dieser Mann sorgt gerade fuer Nachschub,
indem er Schilf schneidet.

Cusco

03.09.-09.09.
Gegen 12Uhr erreichten wir nach einer 15-stuendigen Busfahrt unser Ziel Cusco. Wie erwartet sahen die Bussitze ziemlich sandig aus. Bei der sich anschliessenden Hostalsuche hatte wir direkt Glueck; unser Wunschhostal hatte trotz Hauptsaison und ohne Reservierung ein Zimmer fuer uns parat. Nur mal zur Info: ein Doppelzimmer mit Gemeinschaftsbad kostet hier in Cusco 50 Soles, was in etwa 12,50 Euro fuer 2 Personen entspricht.
In den ersten beiden Tagen erkundeten wir die Stadt und ruhten uns aus (selbst Reisen kann anstrengend sein). Ausserdem meldeten wir uns fuer eine 4-taegige Biking/Trekking-Tour nach Machupicchu (Inka-Jungle-Trail) an. Erstaunlicherweise haette eine 1-Tages-Tour 30 US-Dollar mehr gekostet.
Wir starteten am Samstag frueh (nur mit einem Tagesrucksack fuer 4 Tage bewaffnet) mit einem Kleinbus. Dieser sammelte alle Teilnehmer ein (aus den USA, Grossbritannien, Irland, Holland, Belgien, Spanien und Kolumbien). Da es sich um eine kombinierte Mountainbike-Trekking-Tour handelte, fanden 13 Fahrraeder auf dem Dach dieses Kleinbusses ihren Platz. Es ging ca. 2h hoch in die Berge; von einer Nebenstrasse begannen wir die Biking-Tour auf Serpentinen bergab. Leider hatten wir diesmal nicht soviel Glueck mit unserem Guide Antonio, der kaum Interesse an der Gruppe zeigte und wie ein Irrer lospreschte. Gleich auf den ersten Metern gab es auch schon die ersten Verluste: als Antonio auf eine Schotterpiste abbog, ueberschaetzten sich 2 Teilnehmer. Das Ende vom Lied nach mehreren Loopings in der Luft war eine ausgekugelte Schulter und ein gebrochener Arm bei den beiden Amerikanern. Der Rest der Truppe schaffte es fast unbeschadet ins Etappenziel Santa Maria. Zwischendurch mussten wir leider erste Bekanntschaft mit Sandfliegen machen, ganz unangenehme Zeitgenossen (kleiner als Moskitos, viel fiesere Stiche), denen wir noch ein paar Mal begegnen sollten.

Von Santa Maria aus starteten wir am naechsten Tag sehr frueh mit unserer Wanderung durch die geradezu tropische Vegetation. Das schwuele Klima in Kombination mit Unmengen von Sandfliegen und die steil bergauf fuehrende Strecke forderten uns ganz schoen. Dafuer bekamen wir aber auch einiges zu sehen: Baumwoll-, Kakao-, Mango- und Kumquatpflanzen, Coca- und Kaffeeplantagen, riesige bunte Schmetterlinge, gruene Papageienschwaerme, …


die Strecke entlang der Eisenbahngleise, im Vordergrund Antonio

Die Siesta durften wir in einem Haengemattenparadies umgeben von Bananen- und Limettenbaeumen verbringen. Der kuehle Schatten dort tat uns ganz gut, bevor es wieder weiter ging nach Santa Teresa. Kurz vorher machten wir aber noch bei heissen Quellen Halt, wo wir uns im Wasser entspannten.
Der 3. Tag fuehrte uns nach dem Durchqueren eines Tales ueber endlose Eisenbahnschienen nach Aguas Calientes, welches direkt unterhalb von Machupicchu liegt. Wir fielen frueh in die Kojen, weil wir am darauffolgenden Tag um 3.20Uhr aufstanden.
Dank der Kopflampe fanden wir trotz Dunkelheit unseren Weg nach Machupicchu (der Aufstieg dauerte 1,5h)! Da der Besucherandrang sehr gross ist, Machupicchu bereits um 6Uhr oeffnet und unsere Fuehrung um 6.20Uhr beginnen sollte, entschieden wir uns fuer den fruehen Start in den Tag. Es sollte sich lohnen! Gemeinsam mit einigen wenigen anderen Besuchern durften wir Machupicchu im Licht der aufgehenden Sonnen betrachten.

Machupicchu wurde im 15. Jahrhundert unter dem Inka Pachacútec (nur die Koenige nannten sich Inka, das Volk hiess Quechua) gegruendet. Die Bewohner Machupicchus erfuhren von der mit der Ankunft der Spanier einhergehenden Zerstoerung anderer grosser Inka-Metropolen (selbst der damaligen Hauptstadt des Inkareiches Cusco) und verliessen nach nicht einmal 1 Jahrhundert diesen Ort. Einige Gebaeude sind sogar unvollendet. Dadurch blieb die Existenz Machupicchus den Spaniern verborgen. Erst 1911 erfuhr der Geschichtsprofessor Hiram Bingham zufaellig von der Lage der Ruinen.
Machupicchu liegt uebrigens auf 2400m Hoehe auf einem Bergruecken oberhalb des Rio Urubamba inmitten steil aufragender Bergipfel und ueppiger Vegetation. Die Lage ist spektakulaer!

Nach einer 2-stuendigen Fuehrung durch die Staette entschieden wir uns den Berg Machu Picchu (3140m) zu besteigen, um einen grossartigen Blick ueber die gesamte Anlage zu erhalten. Der Aufstieg hatte es in sich und dauerte gute 2h.


im Hintergrund der Gipfel des Machu Picchu, den wir bestiegen haben


unter uns Machupicchu

Irgendwann kamen wir mit schlotternden Beinen aber gluecklich wieder in Aguas Calientes an, wo wir am selben Abend den Zug Richtung Ollantaytambo nahmen und dort in den Bus nach Cusco umstiegen. Voellig geraedert erreichten wir mitten in der Nacht unser Hostal und fielen in den wohlverdienten Schlaf!
Schon am naechsten Morgen reisten wir sehr frueh nach Puno ab. Gott sei Dank konnte man im Bus weiterschlafen…

Nazca

01.09.-02.09.
Heute hier und morgen da! Am fruehen Dienstag Nachmittag erreichten wir nach nur 7h Fahrt (nicht mehr der Rede wert fuer uns) Nazca. Im Hostal angekommen, entschieden wir uns sehr spontan auf Grund des guten Wetters (der Pisco, ein Willkommensgeschenk des Hostalinhabers, war wahrscheinlich mit Schuld) fuer einen Rundflug ueber die beruehmten Nazca-Linien. Man nimmt an, dass diese gigantischen Bodenzeichnungen (auf einer Flaeche von 450 Quadratkilometer) zwischen 300 v.Chr. und 700 n.Chr. von der Paracas- und der Nazca-Kultur angefertigt wurden. Zu sehen sind die Abbildungen von verschiedenen Pflanzen, Tieren und Menschen. Das Erstaunliche daran ist u.a., dass die Erbauer ihr Werk gar nicht in vollem Umfang betrachten konnten, weil diese Muster so riesengross sind, dass man sie nur aus der Luft vollstaendig sehen kann.
Wir flogen in einer kleiner Cessna C172 und hatten einen beeindruckenden Blick. Leider war der Flug wegen der Schraeglage nicht ganz magenfreundlich, sodass uns danach schon etwas uebel war. Spass gemacht hat’s trotzdem!


„der Astronaut“


„der Kolibri“

Fuer den Tag darauf war Sandboarden angesagt, worauf sich Jini schon den ganzen Tag vorher gefreut hatte. Nach einer super anstrengenden 3,5h Wanderung in der Mittagssonne erreichten wir schliesslich die Spitzen der Duenen. Nach einer kurzen Einfuehrung durch „Chino“, unseren Guide, gings auch schon abwaerts…
Es hat auf jeden Fall Spass gemacht, auch wenn wir uns des oefteren gepackt haben, aber das gehoert dazu. Nach dem Abenteuer Wueste hatten wir Unmengen Sand so ziemlich ueberall, wo man ihn haben kann (sogar in den Ohren). Auf einmal lief uns die Zeit davon und wir mussten ziemlich eilig zum Nachtbus nach Cusco. Unser Guide hatte ein schlechtes Zeitmanagement und eine Stunde vor Abfahrt standen wir immer noch in der Wueste. Ungeduscht (danke Chino!) stiegen wir in den Bus, der uns innerhalb von 15h nach Cusco bringen sollte. Die Stewardess wird sich ueber die sandigen Sitze freuen…


Jini hatte den Dreh schnell raus


gluecklich und erschoepft

Zu Besuch in Lima

30.08.-01.09.
In Lima angekommen fuhren wir mit Vanessa und ihrem Bruder Miguel ins Elternhaus in Chosica, einem Vorort von Lima. Dort servierte uns Vanessa’s definitiv aussergewohnliche Mutter das typisch peruanische „Ceviche“ (roher Fisch und Zwiebeln in einer Limettenmarinade eingelegt). Es war das erste Mal fuer uns, dass wir Ceviche probiert haben; es hat sich auf jeden Fall gelohnt -super lecker! Danach machten wir einen ausfuehrlichen Spaziergang durch Chosica, welches gerade Stadtfest feierte und weshalb wir uns staendig durch die Knaller erschracken.
Am darauffolgenden Tag kauften wir fuer den niedlichen Hauswelpen „Silvestre“ zwei Spielzeuge, da er allein auf dem Dach lebt und kaum Abwechslung hat. Der quietschende Spielknochen und das nackte Plastikhuhn stiessen bei ihm auf grossen Zuspruch :)
Danach ging es ins Zentrum von Lima auf den riesigen Bolivar Artesanal; dort findet man alles von hochwertigem Kunsthandwerk bis hin zu voelligem Kitsch und man ist auf Grund des grossen Angebotes schnell uebersaettigt. Auf dem Rueckweg fuhren wir zufaelligerweise an Dunkin‘ Donuts vorbei, wo wir uns gleich ein Dutzend goennten ;) Wir waren im 7. Himmel…
Dienstag in alles Fruehe stiegen wir in den Bus nach Nazca ein, nachdem wir uns von Vanessa und Miguel auf ein baldiges Wiedersehen verabschiedet hatten.